Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute,
dass der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegben hat.
5. Mose 26,11
„Jetzt mach mal ein anständiges Gesicht.“ Das war ein geflügeltes Wort in einer Familie mit ambitionierten Hobbyfotografen. „Ich habe jetzt einen guten Hintergrund, das Licht stimmt, nun verdirb es nicht mit Miesepetrichkeit.“ Eine ganze Kindergeneration wurde damit zusammengefaltet, aber irgendwann haben sie sich über die Älteren und ihren Satz lustig gemacht. Denn mit Abstand betrachtet: Mach mal ein anständiges Gesicht - was ist denn hier „anständig“? Sieh mich doch mal fröhlich-entspannt an, auch wenn du gerade sauer und genervt bist!?
Manche Erwachsene können das vielleicht mit einer besonderen schauspielerischen Begabung bewältigen - Kinder eher nicht. Deshalb ist der Satz eigentlich albern und hat inzwischen viele Folgescherze hervorgebracht.
Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute - so beginnt der Monatsspruch für Februar. Und er scheint in das gleiche Horn zu stoßen: Fröhlichkeit auf Verordnung. Ein wenig lästig ist das schon, aber was soll's - blicken wir uns doch mal um, ob Anlässe zu Fröhlichkeit oder Freude vorliegen:
20 Jahre Kirchengemeinde Rixdorf liegen hinter uns. Ein Fünftel davon habe ich miterleben und mitgestalten können.
Strukturieren lässt sich das ganz gut an den Höhepunkten des Kirchenjahres und den Festen in unseren Stadtteilen. Was an Gottesdiensten, Angeboten und Aktionen dann stattgefunden hat, war durchgängig gut besucht. Die Rixdorfer Kirchen sind Orte, an denen man sich nicht einsam fühlen muss. Das gilt sogar für zwischenzeitliche Veranstaltungen im kleinen Kreis. Es gab die großen Konzerte mit Chor und Orchester in der Magdalenenkirche und die kleinen Friedensgebete neben dem Kirchturm. Es gab Erntedankfeste mit allen Generationen und unüberschaubarer Kinderschar und die fröhliche Osterprozession zu fünft an der Tabeakirche.
Überhaupt lebt die Kirchengemeinde Rixdorf von Zusammenkünften. Es treffen sich Menschen, die ihre verbindlichen Kontakte pflegen, im Bibelcafé, im Frühstückskreis, bei Laib & Seele und auch in den musikalischen Gruppen. Das tut gut und schafft Vertrautheit. Und es treffen Menschen aufeinander, die sonst niemals Gemeinsamkeiten entdeckt hätten, beim Geburtstagskaffee, nach dem Gottesdienst am Totensonntag, beim Rixdorfer Seelenfest, beim Kiezspaziergang in der Köllnischen Heide, bei Suppe & Sound der Kreativen Jugend, beim Tauffest. Und oft hat das gerade in Rixdorf auch noch mit „Musike“ zu tun.
Es ist schwierig, 20 Jahre Rixdorf oder auch nur ein Fünftel davon in einem Leitartikel des Gemeindebriefes zusammenzufassen. Der Spruch geht weiter:
Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.
(5. Mose 26,11)
Der Bibelvers scheint sehr persönlich zu sein. Ein individueller Blick auf alles Gute um mich herum ist gefragt. Das wäre nun wirklich seitenfüllend und würde den Gemeindebrief endgültig zum Buch machen. Ich würde beginnen bei den vielen Menschen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben - gerade bei Taufen, Trauungen und Bestattungen. Dann wäre da die Fülle von Gaben und Kompetenzen aller ehrenamtlich Engagierten und die Vorzüge, Geduld, Initiativen und Freundlichkeiten der hauptamtlich Beschäftigten, die Kooperationspartner, Nachbarn im Kiez, die Ökumene. Die Reihenfolge wäre vielleicht zweifelhaft und bestimmt jemand vergessen.
Dieser Monatsspruch hat einen Hauch von Disziplin.
Die Aufforderung aus dem Hebräischen lässt sich nicht so einfach ins Deutsche übersetzen. Eine unabgeschlossene Handlung ist es: Du wirst fröhlich sein und dich freuen. Es steckt nicht nur Aufforderung, sondern auch Verheißung darin. Außerdem ist der Blick zurück und rundherum auf das geschenkte Gute nicht rein persönlich gemeint. Wer den Text weiterliest, entdeckt, dass auch die bisher Unbekannten und Fremden mit eingeschlossen sind - nicht nur die Bekannten. So möge es sein in Rixdorf: Die Vertrauten und die Unbekannten sind fröhlich und freuen sich über das Gute, das Gott schenkt.
So wünsche ich es Ihnen allen!
Florian Wilcke, Pfarrer