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Monatsspruch Juni 2021

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
 Apostelgeschichte 5, 29

Liebe Gemeinde,
immer mehr Menschen gehen auf die Stra-ße, um für ihre Sache zu demonstrieren. Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut, und selbst dort, wo abzusehen ist, dass Re-geln nicht eingehalten werden und Gewalt voraussehbar ist, kassieren Gerichte immer wieder Demonstrationsverbote der Polizei.

Auch die Jünger gingen nach Ostern für ihre Sache auf die Straße, predigten auf öffentlichen Plätzen und ließen sich nicht abhalten von Obrigkeiten und Gerichten, die ihnen das Wort verbieten wollten. „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden was wir gesehen und gehört haben“, denn „man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Im Namen Gottes waren sie unterwegs, verkündigten den auferstandenen Herrn und riefen zur Buße und Umkehr. Die Botschaft traf ins Herz. Das wollten sie, die Oberen, nicht hören und suchten, sie zu töten.

So richtig es sein mag, dass „man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen“, hat dieser Satz auch seine dunkle Seite. Religiöse Fundamentalisten berufen sich nicht selten auf ihren Gehorsam Gott gegenüber und brin-gen in dessen Namen unendliches Leid über unschuldige Männer, Frauen und Kinder. Viele Kriege sind im Namen der Religion geführt worden. Müssen wir nicht miteinander ins Gespräch kommen, aufeinander hören und gemeinsam herausfinden, was es heißt, Gottes Willen zu tun? Wer sagt verbindlich, was es heißt, Gott zu gehorchen?

Überhaupt, dass mit dem Gehorsam hat für mich immer einen faden Beigeschmack. Im Gehorsam auf den „Führer“ ist eine ganze Generation für Volk und Vaterland in den Krieg gezogen, und nur wenige hatten den Mut, dagegen aufzustehen. Aber es gab sie, die den Mut hatten zu widerstehen, egal, ob im Gehorsam Gott gegenüber oder einfach im Namen der Menschlichkeit. In diesem Jahr wird viel an Sophie Scholl erinnert, die am 9. Mai dieses Jahres 100 Jahre alt geworden wäre. Als Mitglied der „Weißen Rose“ war sie eine von denen, die nicht schweigen wollten. Sie hat es mit dem Leben bezahlt, und mit ihr unzählige bekannte und unbekannte Widerstandskämpfer*innen, die im Namen der Menschlichkeit, im Namen der Gerechtigkeit, im Namen christlicher Verantwortung nicht geschwiegen haben. Manchen hat gerade der Glaube an Gott und ihr Gehorsam ihm gegenüber, die Kraft dazu gegeben.

Noch einmal: unser Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut. Nicht überall auf der Welt ist es rechtlich verbrieft. Vielleicht machen wir viel zu wenig davon Gebrauch. Junge Men-schen machen es uns vor, die für Umwelt-schutz und eine gerechtere Welt auf die Straße gehen. Ob sie es im Gehorsam Gott gegenüber tun oder einfach, weil ihr Gewissen sie dazu treibt, ist unerheblich. Wie gut aber, dass nicht nur die auf die Straße gehen, die das Demonstrationsrecht missbrauchen, sondern auch die, die sich für eine bessere Welt engagieren und die nicht Schweigen können, um nicht denen die Straße zu überlassen, die Hass und Gewalt säen.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr Jürgen Fuhrmann