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Monatsspruch Dezember 2021

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.
Sacharja 2,14

Wenn es einen Klang der Advents- und Weihnachtszeit gibt, den ich besonders mag, dann ist es das Lied, das im Monatsspruch für den Dezember anklingt. Wie gerne singe oder höre ich es am 1. Adventssonntag und gerne darüber hinaus: „Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem.“ Der Text des Liedes ist dem Propheten Sacharja entnommen, der in kargen, entbehrungsreichen, ja freudlosen Zeiten es wagt, groß zu träumen. Im kargen Jerusalem träumt er davon, dass Gott selbst dieses Land besucht, es gleichsam groß herausbringt. Das, was am Rand liegt, vergessen, unbeachtet, das soll, so träumt Sacharja, gesehen und geachtet werden. So groß, so übermütig scheint seine Vision, dass der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt Sacharja vermutlich zum Arzt geschickt hätte. Denn so soll er es ja gesagt habe, der kühle Hanseat Schmidt: Wer Visionen hat, möge zum Arzt, aber keinesfalls in die Politik gehen.

Sacharja jedenfalls träumt groß. Ihn rettet das in seiner Zeit. Und bis heute träumen Menschen diesen Traum weiter, voller Freude und Hoffnung. Jesus wird mit diesen Worten in Jerusalem begrüßt. Und heute singen wir diese Worte in der Adventszeit mit dem Text von Friedrich Heinrich Ranke von 1826 und der älteren Melodie von Georg Friedrich Händel von 1747. Es ist ein Lied der Vorfreude, die sich in Text wie Melodie offenbart. Händel hat diese Melodie gleich für zwei seiner Oratorien verwandt, die mit Josua und Judas Makkabäus große Gestalten der biblisch-jüdi-schen Geschichte zum Gegenstand haben. Es ist ein bisschen wie eine Heldenfanfare, mit einer mitreißenden, begeisternden Melodie. Ranke hat dann dieser populären Melodie den geistlichen Text aus dem Sacharjabuch hinzugefügt – seither singen wir dieses Lied als Eröffnung der Adventszeit. Gott kommt zu uns, besucht uns, auch im Abgelegenen, Verborgenen, Dunklen. Da, wo es niemand vermutet, nicht in den Zentren der Welt, sondern einer bedeutungslosen Provinz am Rande der großen Metropolen und Verkehrsadern.

„Freue dich und sei fröhlich“: im zweiten Coronawinter brauchen wir diesen Zuspruch vielleicht besonders. Denn insgesamt liegen auch niederdrückende Zeiten hinter und vermutlich auch wieder vor uns. Die Adventszeit will da andere Töne anschlagen, auch wenn die Pandemie weiter um sich greifen sollte. Sie will Hoffnung geben, Besserung aufzuzeigen, uns eine neue Perspektive aufzeigen. Gott kommt zu uns, gerade auch da, wo wir bedrückt und niedergeschlagen sind.

Sacharja in seiner Zeit hat sich jedenfalls nicht niederdrücken lassen, auch wenn es für ihn wenig Grund zur Hoffnung gab. Er vergräbt sich nicht in Groll und Bitterkeit, überlässt die Zukunft nicht seiner Angst. Er gibt sich der Hoffnung hin, die er in seinem Glauben findet. Darin findet er neuen Mut. Er will Hoffnung weitergeben und die Zukunft verantwortlich gestalten. Weil Gott kommt, einzieht auch bei ihm.

Er kommt, der Friedefürst, auch in unsere unruhigen Seelen. Wenn das kein Grund zur Freude ist! Deshalb freue ich mich, dass dieses Lied mich in dieser Zeit begleitet.

Ihr Dr. Christian Nottmeier
Superintendent
Ev. Kirchenkreis Neukölln