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Monatsspruch September 2022

Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.
Sirach 1,10

Liebe Gemeinde,

Weisheit verstehen wir meist als gesammelte Lebenserfahrungen, aus denen wir unsere Erkenntnisse und Weisheiten ziehen. So scheint die Lebensweisheit auch den Alten vorbehalten zu sein, junge Menschen müssen erst noch ihre Erfahrungen im Leben machen. Da ist natürlich etwas dran, und dennoch scheint mir hohes Alter noch kein Garant für Weisheit zu sein. Was ist eigentlich Weisheit, und wie erlangt man sie? Das Buch Sirach beschäftigt sich sehr intensiv mit der Weisheit, und kommt zu dem Schluss: „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang“ (Sirach 1,14), ein Satz, den wir auch aus den Sprüchen Salomos kennen. Nun verbindet der Monatsspruch nicht die „Furcht des Herrn“ mit der Weisheit, sondern die „Liebe zu Gott“. Im Grunde ist das aber deckungsgleich, denn Frucht im alttestamentlichen Sinne bedeutet Gott mit dem nötigen Respekt zu begegnen und nach seinen Weisungen zu leben. Die Älteren erinnern sich vermutlich noch an die Erklärungen Martin Luthers zu den 10 Geboten, die jeweils eingeleitet werden: „Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass…“, und es folgt die jeweilige Auslegung. Gottesfurcht und Gottesliebe werden in einem Atemzug genannt, und beides hat dann auch tatsächlich mit den Geboten und Weisungen Gottes zu tun: weise sind wir, wenn wir danach leben und handeln. Darin zeigt sich die Liebe zu Gott.
Und das ist nun das Zweite, was von der Weisheit zu sagen ist. Es geht um Erkenntnis, die den Einzelnen wie die Gemeinschaft zu gelingendem Leben befähigt, es geht um das Leben selbst. Nicht der ist weise, der im Laufe der Jahre durch viel Lesen und sonstiges Sammeln von Informationen eine Fülle an Wissen angehäuft hat, sondern der dieses Wissen recht auf das Leben anwendet und daraus die richtigen Schlüsse zieht. Deshalb ist sie zugleich intellektuell und pragmatisch. So wird Sirach auch ganz konkret in der Aufzählung dessen, wo er überall Weisheit am Werke sieht, die übrigens oft personifiziert und in Gestalt einer Frau erscheint, ganz in Gottes Nähe. Im rechten Umgang der Generationen miteinander braucht es Weisheit, im Blick auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt braucht es Weisheit, wo wir Armut und Hunger bekämpfen braucht es Weisheit, im rechten Maßhalten, im Umgang mit Freunden, im gesunden Ausgleich von Arbeit und Freizeit braucht es Weisheit. Und auch in der Politik. „Weise Regenten“ wünscht er sich, und wir können nur beipflichten: Ja, das braucht das Land, gerade in schweren Zeiten, wenn Kriege geführt werden und der Friede in weite Ferne gerückt scheint. Und nicht zuletzt im Umgang mit unserer geschundenen Erde braucht es Weisheit, denn wir haben nur diese eine.
Sirach, wie auch andere Weisheitslehrer und Weisheitslehrerinnen gehen davon aus, dass alles weise geordnet ist, weil es ein weiser Gott geschaffen hat. Deshalb ist weise, wer nach diesen Ordnungen lebt und nicht gegen sie. Und das heißt Gott lieben, der das Leben liebt und nicht den Tod. Darum ist es die „allerschönste Weisheit.“

Es grüßt Sie herzlich, Ihr Jürgen Fuhrmann